Stellungnahme des VdI zum Aufsatz von Ufuk Özbe

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27 Apr Stellungnahme des VdI zum Aufsatz von Ufuk Özbe

Stellungnahme des Verbandes der Islamlehrerinnen zum Aufsatz von Ufuk Özbe „Die Reform des Islam muss scheitern“, erschienen am 19. April 2016 in Cicero (Online:http://www.cicero.de/weltbuehne/reform-des-islam-der-islam-ist-mehr-als-eine-weltanschauung/60767/seite/2)

Der Verband der Islamlehrerinnen und Islamlehrer e.V. ist der Meinung, dass der Aufsatz von Ufuk Özbe den Islamischen Religionsunterricht (kurz: IRU) verzerrt und ihn in ein schlechtes Licht rückt, wenn er ihn als „staatlich finanzierte Ghettoisierung“ diffamiert und die hierzulande ausgebildeten Islamlehrer/innen ungerechterweise ideologischen Lager zuordnet.

Unseres Erachtens entspricht die hier aufgezeigte Polarisierung und Dichotomie in keinster Weise der Realität und dem Selbstbild der Lehrkräfte für den IRU. Da sie schlichtweg die tagtägliche Pionierleistung der Islamlehrer/innen verkennt, die inmitten der Schullandschaft vor Augen einer gebildeten Öffentlichkeit geschieht.

Wenn die verzerrenden Darstellungen von Herrn Özbe unbewusst und bloß einer journalistischen Vereinfachung geschuldet sind, können wir es verstehen, aber auch dann muss eine nennen wir es eine didaktische Reduktion exemplarisch der Realität entsprechen, um so einer Verfälschung des Gegenstandes vorzubeugen.

Wer tatsächlich daran interessiert ist, was im IRU gelehrt wird, hat jederzeit die Gelegenheit Einsicht in Kernlehrpläne und schulinterne Curricula zu bekommen, die allesamt den Bildungsstandards entsprechen. Interessierte können darüber hinaus noch ein umfassendes Bild über die universitären und schulpraktischen Ausbildungsstandards sowie über die tagtägliche Arbeit der Lehrkräfte machen.

Schon ein flüchtiger Blick in die Bildungspraxis zeigt, dass die mühselige Arbeit am Bewusstsein der Schüler/innen sicherlich nicht am allabendlichen Produkt, wie ein Aufsatz oder eine Kfz-Reparatur erkennbar sein kann. Erziehung und Bildung, wozu auch die religiöse Bildung gehört, sind langatmige Prozesse und brauchen daher Reifezeit, wenn sie nicht in Halbbildung oder Unbildung enden wollen. Wann, wenn nicht in der Schulzeit können Schüler/innen besser und nachhaltiger eine religiöse Bildung genießen, indem sie das Erlernte immer wieder reflektieren und zu einem eigenen begründeten Urteil kommen?

Auch islamische Religionslehrer/innen sind im Bilde, dass Schüler/innen individuell und einzigartig sind, von einer wie auch immer verstandener Homogenität muslimischer Schüler/innen kann keine Rede sein. Sie sind analog zu ihren Mitschüler/innen im hohen Maße vielfältig in ihren Selbstwahrnehmungen, zumal sie sich in der Schulzeit in einer Phase einer intensiven Identitätsbildung befinden. Genau in dieser sensiblen Selbstfindungsphase werden sie von professionell ausgebildeten Religionspädagog/innen begleitet.

Vor diesem Hintergrund bewerten wir, als Verband der Islamlehrerinnen und Islamlehrer, die vulgärideologische Forderung einer Streichung des Islamischen Religionsunterrichts als deplatziert und realitätsfern, da sie schlichtweg den sozio-politischen und rechtlichen Stellenwert des Religionsunterrichts und sein Potenzial, einen friedlichen und konstruktiven Beitrag zur Identitätsbildung von jungen Muslim/innen zu leisten gänzlich verkennt.

Wie Studien belegen, ist der Islamische Religionsunterricht ein Erfolgsmodell. Daher plädieren wir als Verband der Islamlehrerinnen und Islamlehrer für die Ausweitung des Islamischen Religionsunterrichts auch in jenen Bundesländern, die sich bisher zögerlich zeigten und begrüßen zugleich das Vorhaben von Sachsen-Anhalt einen bekenntnisgebundenen Islamischen Religionsunterricht einführen zu wollen und den Entschluss des bayrischen Kultusministeriums, den Islamischen Religionsunterricht zum nächsten Schuljahr von bisher 260 auf 400 Schulen ausbauen zu wollen.

Der Islam gehört zu Deutschland und der Islamische Religionsunterricht ist ein eindeutiges Zeichen für diese Zugehörigkeit.

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